Corona 2020 – Streamingvideos

Ich bin unglaublich dankbar, daß ich neben allen Absagen, der politischen Arbeit mit meiner Petition, einigen "Homevideo"-Versuchen und vielen anderen unerwarteten Begleiterscheinungen trotzdem von Zeit zu Zeit noch ganz offiziell singen und damit meiner Berufung nachgehen durfte und darf!
Das mit Abstand eindrucksvollste Ereignis in dieser Hinsicht, vor allem auch in seiner Funktion als Zeitdokument, war ganz klar die Johannespassion am Karfreitag in der Leipziger Thomaskirche. Aber es war glücklicherweise nicht das einzige! Deshalb will ich hier nun alle weiteren derartigen Aktionen und Auftritte zusammenfassen.
All diese Veranstaltungen wurden übrigens auch finanziell honoriert; zwar zumeist nicht in "normaler", angemessener Höhe, so daß ich meinen Lebensunterhalt davon bestreiten könnte, aber es wurde dennoch darauf geachtet, daß alle Beteiligten auch ein Honorar erhalten. Dafür bin ich ebenso dankbar.
Wer aber - nur nebenbei bemerkt - dieses Honorar gern ein klein wenig aufstocken möchte, damit ich auch in Zukunft (wann auch immer dieser kulturelle Shutdown vorbei sein wird) weiterhin Musik zu "Gottes Ehre und Recreation des Gemüths" (J.S.Bach) machen kann, der ist natürlich herzlich willkommen!

Hier nun also einige Online-Konzerte bzw. -Gottesdienste, an denen ich beteiligt war.

Hauskonzert für Hongkong (02.04.2020)

Mitte März gab es in Hongkong die zweite Corona-Welle, aufgrund derer die Menschen dort erneut zuhause bleiben mußten. Aus diesem Grund hat das Goethe-Institut Hongkong die Reihe "Hauskonzert" ins Leben gerufen: jede Woche konnten so Musiker aus Deutschland den Menschen in Hongkong auf musikalischem Weg ein wenig Hoffnung und Zuversicht nach Hause bringen.
Mit ganz wunderbaren Kollegen unter der Leitung von Gregor Meyer durfte ich den Auftakt zu dieser kleinen Konzertreihe im April bilden.
Wir entschieden uns für eine Kantate von Johann Kuhnau über den Text von Psalm 121 ("Ich hebe meine Augen auf") sowie "Gott lebet noch" aus dem Schemelli'schen Gesangbuch von Johann Sebastian Bach. Beides auch textlich sehr gut dazu geeignet, in diesen so unwirklichen Zeiten für Auferbauung zu sorgen.

"Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch?
Will dich alle Welt verlassen, du weißt weder aus noch ein,
Gott wird dennoch dich umfassen und im Leiden bei dir sein.
Gott ist, der es herzlich meinet, wo die Not am größten scheinet!
Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herrgott noch."

 

Ostergottesdienst aus der Thomaskirche (12.04.2020)

Was wäre Ostern ohne Musik, ohne "Christ ist erstanden", ohne die gesungene Auferstehungsbotschaft?

Das dachte sich glücklicherweise auch Thomaskantor Gotthold Schwarz, und so durfte ich am offiziellen Oster-Internet-Gottesdienst aus der Leipziger Thomaskirche teilnehmen.
Wir musizierten einen Kantatensatz von Georg Philipp Telemann und die (damit es von der Zeitdauer her paßt, leicht bearbeitete) Kantate "Christ lag in Todes Banden" von Johann Sebastian Bach. Orgelmusik, Gemeindegesang und natürlich Geistliches Wort fehlen auch nicht. In diesem Sinne also, verbunden mit dem österlichen Gruß "Der Herr ist auferstanden!", und weil die Auferstehung für uns Christen ja tagtäglich relevant ist: Frohe Ostern!

 

Gartenkonzert an der Bethanienkirche Leipzig (18.04.2020)

Die Leipziger Bethanienkirche und Thomaskantor Gotthold Schwarz hatten die schöne Idee, auch am Wochenende nach Ostern, zum Sonntag Quasimodogeniti, eine zeitlich passende Kantate aufzuführen. Also wurde (tatsächlich sehr spontan) die wunderbare Bach-Kantate "Am Abend aber desselbigen Sabbats" (BWV 42) geprobt und sodann im Garten der Leipziger Bethanienkirche als leicht anarchisches Garten- und Spazierkonzert aufgeführt. Hinter dem Gartenzaun konnten die Menschen vorbeiflanieren oder auch kurz stehenbleiben und diesem musikalischen Gruß lauschen - was auch sehr dankbar angenommen wurde.
Die Kantate wartet dabei auch mit sehr passenden Textbezügen auf ("Wo zwei und drei versammelt sind", "Verzage nicht, o Häuflein klein" usw.) - und mit einem sehr aktuellen Schlußchoral:
"Gib unsern Fürsten und aller Obrigkeit Fried und gut Regiment, daß wir unter ihnen ein geruhig und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit."
Die Begrüßung sprach Pfarrer Staemmler-Michael von der Bethanienkirche, die Mitwirkenden waren:

Isabel Meyer-Kalis - Sopran
David Erler - Alt
Wolfram Lattke - Tenor
Annelie Matthes, Elisabeth Grümmer - Oboe
Katharina Arendt, Eva Salonen - Violine
Gundula Rauterberg - Viola
Hartmut Becker - Violoncello
Tilman Schmidt - Kontrabaß
Michaela Hasselt - Orgel
Thomaskantor Gotthold Schwarz - Baß & Leitung

 

LIVE IST LIFE! (03.05.2020)

Am 03.05.2020 fand die 1. Musikalische Kundgebung Thüringens statt - eine Demonstration mit musikalischer Untermalung. Auf Initiative der Achava Festspiele Thüringen und ihres Intendanten Martin Kranz sowie des Thüringer Bach Collegiums unter der Leitung von Gernot Süßmuth wurde unter anderem auf die prekäre Lage freischaffender Künstler, aber auch der Kultur als solche in Zeiten von Corona aufmerksam gemacht.
Nicht eine Demonstration gegen etwas, sondern für die Kultur, wie der ebenfalls anwesende Ministerpräsident Bodo Ramelow in seinem sehr hörens- und bedenkenswerten Grußwort betonte. Neben ihm und der Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, Dr. Ulrike Lorenz, durften einige per Los bestimmte Zuhörer auf dem Orangerieplatz des malerischen Schlosses Bellevue vor den Toren Weimars live vor Ort sein. Natürlich mit entsprechendem Abstand und mit Mundschutz (eine absurde Vorschrift für eine Veranstaltung im Freien). Ich durfte dabei nicht nur einige Worte sprechen, sondern vor allem auch das wunderbare "Ach, dass ich Wassers gnug hätte" von Johann Christoph Bach singen. Außerdem erklang jeweils ein Konzert von Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi.
Die Veranstaltung wurde so zum Hoffnungszeichen für die Kultur, zugleich aber auch zu einer Demonstration dafür, wie sich die Auflagen und Beschränkungen auf das gemeinsame (oder eben nur bedingt gemeinsame) Musizieren auswirken, auch durch die Open-Air-Situation.

 

Mai.Klang 2 - Musik aus Chemnitzer Kirchen (16.05.2020)

In einer Zeit, in der nahezu alle Veranstalter und vor allem auch Kirchen nur Absagen verschickten, hat mein lieber Kollege und Freund Sebastian Schilling das Gegenteil gemacht: er hat gemeinsam mit mehreren Chemnitzer Kirchgemeinden die Online-Konzertreihe "MAI.KLANG" erfunden und organisiert. An mehreren Wochenenden im Mai gab es somit etwa halbstündige musikalische Andachten im Internet zu erleben. Und den zweiten Termin am 16.05.2020 durfte ich mit ihm und drei weiteren wunderbaren Musikerkollegen ausgestalten. Auch dies war und ist ein echtes Hoffnungszeichen inmitten dieser von vielen Unsicherheiten geprägten Zeit, für das ich von Herzen dankbar bin!
Entsprechend zuversichtlich gestaltete sich auch die Werkauswahl. Nach dem österlichen Surrexit pastor bonus ("Der gute Hirte ist auferstanden") von Samuel Capricornus stand der Psalm 30 In te Domine speravi ("In dich, Herr, habe ich gehofft") in einer Vertonung von Johann Albrecht Kress im Zentrum des MAI.KLANGs. Abgerundet wurde das Programm mit Johann Philipp Kriegers freudig-jubelndem Singet fröhlich Gotte. All das ist musikalischer Ausdruck von Zuversicht und Gottvertrauen, reflektiert noch einmal in den geistlichen Impulsen der beiden Pfarrerinnen. Ein echter Grund zur Dankbarkeit also, auch für uns Ausführende.
In der St. Andreaskirche Chemnitz-Gablenz musizierten wir als CAPELLA TRINITATIS in der folgenden Besetzung:
David Erler - Altus
Cosima Taubert - Violine
Carsten Hundt - Violone
Tobias Hecker - Chitarrone
Sebastian Schilling - Orgel und Leitung